Am Donnerstag, 13. August 2026, um 17 Uhr lud die ACK Nagold zur „Atempause" in die Wachsende Kirche im Stadtpark Kleb ein. Gestaltet wurde die Andacht von der Evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde Nagold, musikalisch begleitet von Roland Arras.
Edeltraud Wegenast hielt zu Beginn eine Meditation über den 13. August und die Wirklichkeit jener Zeit – über den Tag, an dem sich 1961 über Nacht die Grenzen in Berlin schlossen, Stacheldraht ausgerollt und Beton gegossen wurde, Familien auseinandergerissen und Lebenswege zertrennt wurden.
Die Predigt hielt Pastor Stefan Veihelmann. Als Textbasis diente Psalm 85,11: „Güte und Treue begegnen einander, Gerechtigkeit und Friede küssen sich." Das sei kein billiger Trost für passive Abwarter – die hebräische Sprache deute eher an, dass diese Kräfte hart aneinander reiben und miteinander ringen. Frieden ohne Gerechtigkeit bleibe eine Illusion, das erzwungene Schweigen hinter einer Betonmauer; Gerechtigkeit ohne Frieden werde bitter und baue neue Mauern des Hasses. Erst wo beide zusammenkommen, geschehe das Wunder: Gerechtigkeit benennt das Unrecht, der Friede öffnet die Tür zur Versöhnung. Gott verbinde diese Gegensätze – aber er tue es durch uns.
Wie das im scheinbar Aussichtslosen aussieht, veranschaulichte Veihelmann mit der Geschichte der zwei Frösche in der Milchkanne: Der erste verlor den Mut und ertrank; der zweite strampelte weiter, bis die Milch zu Butter wurde und er sich vom festen Boden in die Freiheit abstoßen konnte. Die Friedliche Revolution von 1989 sei genau dieses kollektive „Strampeln" gewesen – so lange, bis der harte Beton der Mauer nachgab.
Auch heute, 65 Jahre nach dem Mauerbau, würden neue Grenzen hochgezogen – nicht immer aus Zement, sondern aus Vorurteilen, politischer Spaltung und sozialer Kälte. Angesichts globaler Krisen schleiche sich leicht das Gefühl des ersten Frosches ein: „Wir können ja doch nichts ändern." Dagegen stand die Mahnung des Tages: Frieden ist Arbeit, Gerechtigkeit ist Bewegung – die Wahrheit sagen, wo Unrecht geschieht, und die Hand zur Versöhnung reichen, wo Feindschaft herrscht.
Am Ende der Andacht stand das Gebet, mit dem Pastor Stefan Veihelmann die Gedanken des Tages zusammenfasste:
Großer Gott der Freiheit,
am heutigen 13. August gedenken wir der Opfer der Teilung und danken dir für den Mut derer, die damals nicht aufgegeben haben.
Wir bringen dir unsere Welt im Jahr 2026, in der die Hoffnungslosigkeit oft so schwer auf uns lastet.
Bewahre uns davor, mutlos zu werden oder untätig zuzusehen, wie neue Mauern wachsen.
Schenke uns die Ausdauer des zweiten Frosches: Gib uns die Kraft, auch dann für den Frieden zu strampeln, wenn der Erfolg noch unsichtbar ist.
Lass deine Güte und Treue unser Herz berühren, damit Gerechtigkeit und Friede sich auch in unserem Alltag küssen.
Amen.
Mit dem gemeinsamen Vaterunser schloss die Atempause.
Die Reihe „Atempause – Andacht, Auszeit, Atem schöpfen im Alltag" wird in den Sommermonaten von den Mitgliedsgemeinden der ACK Nagold im Wechsel gestaltet.




